Mathias Tretter

am 28.02.2026 in der Baulandhalle

Mit Humor gegen den Ausnahmezustand – Satirischer Blick auf den Zustand der Demokratie Mathias Tretter eröffnet das Kulturkommode-Programm mit scharfzüngigem politischem Kabarett Für Kulturinteressierte und Kabarettfreunde in der Region ist es ein Glück, dass es den Verantwortlichen der Kulturkommode immer wieder gelingt, namhafte Künstler für ein Gastspiel in Osterburken zu gewinnen. Auch zum Beginn des 29. Jahresprogramms wartete der Kleinkunst- und Kulturverein mit einem Kabarettisten auf, der bereits alle einschlägigen Branchen-Preise gewonnen und die namhaftesten Bühnen der Republik bespielt hat. Schon während seines Studiums der Anglistik und Germanistik verfasste Mathias Tretter erste kabarettistische Texte. Was noch als kleiner Auftritt vor Kommilitonen begonnen hat, wurde schnell zu politischem Kabarett der Extraklasse. Bald war er nicht nur auf der Bühne zu sehen, sondern auch im Fernsehen, ist Autor, Moderator und hält einen satirischen Monatsrückblick im Bayerischen Rundfunk. Wortgewandt begeistert er seit über 20 Jahren sein Publikum und provoziert mit scharfer Zunge und köstlichen Gemeinheiten. Als gebürtiger Unterfranke hat er 2007 „rübergemacht“, wie er selbst sagt, und lebt seither in Leipzig. Offensichtlich hilft ihm dies dabei, die Ansichten aus beiden Hälften des ehemals geteilten Deutschlands objektiv einzuordnen und nicht nur mit der Wessi-Brille zu bewerten.

„Souverän“, so der Titel seines aktuellen Bühnenprogramms, zeigt ihn auf seinem Plakat, einem Politiker gleich, im korrekt sitzenden Anzug und konnte so durchaus mit den parallel angebrachten Landtags-Wahlplakaten verwechselt werden. Er hoffe sehr, er schaffe es über die Fünf-Prozent-Hürde, so der Kabarettist augenzwinkernd. Und eigentlich möchte es man dem Wahlvolk fast wünschen, denn Tretter analysiert die Entwicklungen der heutigen Zeit, in der gefühlt („der aktuell inflationär gewählte Ausdruck für Sensibilität“) an jeder Ecke der Ausnahmezustand herrscht, messerscharf und treffend – sei es politisch, gesellschaftlich oder individuell. Sein Programm regt zweifellos zum Nachdenken an. Er stellt darin auf satirische und dennoch eindeutige Weise die Frage, wer in dieser unübersichtlichen Welt eigentlich noch den Souverän vertritt und die Kontrolle behalten sollte. Hoffentlich nicht die Despoten dieser Welt, die er als eine Achse der Überalterten und ewig Gestrigen bezeichnet und die AfD als das letzte „Westpaket“ in den Osten.

Der Egoismus greife um sich, das „Ich“ sei das neue „Wir“ und „die Erde versuchte die Menschheit sowieso nur zu erhalten, um ihren eigenen Arsch zu retten“. Und so gäbe es keine Katastrophen mehr, sondern nur noch „Neue Märkte“. Jeder versuche das Beste für sich herauszuholen und überhaupt seien die Wahlen das Problem an der Demokratie. Ob diese These zu gewagt ist, möge jeder für sich selbst beurteilen in einer Zeit, in der in vielen Ländern wieder einmal derjenige der Souverän ist, der über den Ausnahmezustand entscheidet und in den USA einer sitzt, der mit erschreckend wenig Wortschatz erstaunlich lange Reden hält. Merz hingegen habe einfach so lange kandidiert, bis die Gesellschaft mit „Ich kann nicht mehr!“ einfach nachgab. Die Wähler kennen oder erkennen die Programme der Parteien nicht mehr, ist sich Mathias Tretter sicher, machten einfach irgendwo ihr Kreuz und spielten „Schiffe versenken“. Schließlich sei alles auch noch so teuer geworden, dass vielen, wie ihm als Student, nichts anderes übrigbliebe, als am Geldautomaten zu daddeln und gespannt zu schauen, was noch rauskomme.

Zum Glück gibt es da noch zum Durchschnaufen, wie auch in seinen früheren Programmen, Tretters Alter Ego Ansgar, der allerdings von den Chinesen in einer Kapsel Richtung Mars geschickt wird, sich auf dem Weg in bestem Unterfränkisch so seine Gedanken macht und die Dinge auf seine ganz eigene, oft absurde Weise interpretiert. Fast am Ziel angekommen stellt sich allerdings heraus, dass selbst dieser Trip nur eine Simulation war. Bleibt also die Frage, welchen Wahrheiten heute überhaupt noch zu trauen ist.

„Ich bin Komiker; glauben Sie mir, ich weiß, was es für die Psyche bedeutet, wenn man Blödsinn redet und jemand ist dabei“, stellt Tretter zwischendurch fest. Solange Gesellschaftskritik in solch sprachgewandte und unterhaltende Satire verpackt wird, nimmt man dies gern in Kauf und außerdem sein Fazit mit nach Hause: „Man möchte kotzen, aber das Lachen hält es drunten.“

Text: Martin Hammer
Fotos: Michael Pohl