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Phønix

am 16.05.2009 in der Alten Schule

Zum ersten Mal hatte die Kulturkommode Osterburken Künstler aus Skandinavien zu Gast. Die Band Phønix, eine von Dänemarks bekanntesten Vertretern moderner Folk-Musik gab ein Gastspiel in der Alten Schule und vermochte es, den Zuhörern diesen lauen Frühlingsabend noch ein wenig mehr zu versüßen. Die Intention der vier Musiker ist es, dänische Traditionals lebendig zu halten, ohne sie altbacken klingen zu lassen. Alten Volksweisen verleihen sie durch moderne Harmonien, luftige Rhythmik und überraschende Arrangements einen neuen Anstrich und machen sie auf diese Weise musikalisch auch für jüngere Generationen interessant.


Kaum zu glauben, dass ein Teil des Ensembles beinahe schon 20 Jahre gemeinsam diesen speziellen Stil entwickelt - nicht überraschend allerdings, dass sie sich damit mittlerweile einen Platz ganz oben in der dänischen Folkszene erspielt haben. Ungewöhnlich ist bei Phønix schon die Instrumentierung: neben Gesang und Akkordeon sorgen Percussion und besonders die Klarinetten für ungewöhnliche Klang- und Rhythmuserlebnisse. Wo man gemeinhin bei Folk-Bands etwa eine Violine als Melodieinstrument vermutet, sorgt bei Phønix Anja Præst Mikkelsen dafür, dass die Klarinetten diesen Part übernehmen. Mal seufzend, mal quicklebendig ist ihr Klarinettenspiel und besonders der Einsatz ihrer Bassklarinette sorgt zuweilen für nahezu treibenden Groove. Ihr absolutes Können blitzte insbesondere bei den, zumeist von Anja selbst komponierten, Instrumentalstücken auf, die mit ihren mitreißenden Melodien das Publikum ein ums andere Mal begeisterten.



Harmonietragend und souverän über seine Tasten fliegend begleitete Jesper Vinther am Akkordeon, während Jesper Falch stets zurückhaltend aber dennoch effektiv an den Percussion-Instrumenten agierte. Nicht zuletzt steuert Karen Mose, die im Jahre 2003 als beste Vokalistin mit dem "Danish Music Award Folk" ausgezeichnet wurde, mit ihrer klaren und gleichermaßen einfühlsamen Stimme ihren Teil dazu bei, dass die Texte der traditionellen Lieder bestens interpretiert werden. Diese handeln - wie sollte es auch anders sein - von der Liebe, den dänischen Gepflogenheiten und Originalen aber auch von blutigen Taten früherer Zeiten. Schließlich, erklärte Karen Mose augenzwinkernd, sei es nicht von der Hand zu weisen, dass die Dänen früher das Volk der grimmigen Wikinger waren. Teils auf deutsch, teils auf englisch wurden humorvoll die Hintergründe der Lieder erläutert und das Publikum zum Mitsingen eines dänischen Refrains ermuntert.


Dass die Vier eine eingespielte und gut harmonierende Gruppe sind, das merkt man: es herrscht beinahe blindes Verstehen untereinander und ein wunderbares Zusammenspiel auf der Bühne; dennoch bleibt jedem genügend Freiraum, um das individuelle musikalische Talent unter Beweis zu stellen. Auch stilistisch lassen sich die Musiker von Phønix nicht festlegen: Tanznummern stehen neben Jazz-Anleihen, Musettes folgen auf beinahe poppige Folk-Balladen, Traditionelles wird verändert, allerdings immer zu Gunsten einer mitreißenden musikalischen Performance.



Nach diesem begeisternden Konzert war dem Publikum auf jeden Fall klar: Phønix sind vier absolut sympathische Musiker, die herzerfrischenden, modernen Folk präsentieren. Wenn Dänemark so schön ist wie seine Musik, so wünscht man sich, dort den nächsten Urlaub verbringen zu können.

Text: Martin Hammer
Photos: Michael Pohl