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Alfred Mittermeier

am 25.04.2009 in der Alten Schule

"Nahrung fürs Hirn und Futter fürs Zwerchfell gleichermaßen" – das verspricht der Kabarettist Alfred Mittermeier mit seinem Soloprogramm "Zuckerschlecken". Ihn holte jetzt die Kulturkommode nach Osterburken. Dass Mittermeier sein Wort hält, davon konnte sich das Publikum im ausverkauften Saal der Alten Schule überzeugen.

Von der ersten Minute an besticht der Kabarettist aus dem oberbayerischen Dorfen durch absolute Bühnenpräsenz. Es ist nahezu unglaublich, mit welcher Geschwindigkeit Alfred Mittermeier vom Anfang bis zum Ende und von einer Pointe zur nächsten durch sein Programm hechtet. Dabei nimmt er mit einer fast schon perfektionistischen Genauigkeit die Deutschen und deren Gewohnheiten unter die Lupe ("künftig bessert man sich die Rente mit Elterngeld auf, bald gibt es Altenheime mit integrierten Krippenplätzen") und spart nicht an Kritik, wenn es beispielsweise um den Bevölkerungsrückgang, Scheidungen oder die Auswüchse des Handyzeitalters geht.


Alfred Mittermeier


Das Themenspektrum, welches der Kabarettist bei so einem Auftritt abdeckt, ist groß und verlangt vom Zuschauer schon eine gehöriges Maß an Konzentration. Scheinbar mühelos spaziert Mittermeier dabei durch den Abend und verleiht ihm eine gewisse Leichtigkeit, in dem er Gesellschaftskritik und Boulevard in einer verdaulichen Mischung serviert. Mit den liebevoll-skurrilen Anekdoten seiner Jugend in der oberbayerischen Heimat lockert er gekonnt auf, ehe er im nächsten Augenblick über den Reformwahn in Deutschland vom Leder zieht ("Bei den Politikern ist schon Kreativität gefragt, weil sie sich immer neue Steuern einfallen müssen"). Steuer- und Gesundheitsreformer, Regierungsparteien – und nicht nur die – bekommen gnadenlos ihr Fett weg.


Zuweilen bleibt einem das Lachen auch durchaus im Halse stecken, wenn er beispielsweise seine satirischen Anmerkungen über Ostdeutschland macht und kurz darauf anmerkt: "Solange hier darüber noch gelacht wird, ist die Einheit noch nicht vollzogen." Der bekennende Bayer widmet auch seiner Heimat viel Aufmerksamkeit, bewegend seine immer noch andauernde Trauer über das Ausscheiden des "renommierten Kollegen", Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber. Wenn dann ein 63-Jähriger nach einem 65-Jährigen einen Neuanfang schaffen soll, kann das laut Mittermeier ja nicht gutgehen. Aber auch unserem Ländle bietet Mittermeier freimütig ideelle Hilfe an. Sollte man einen Wechsel an der Spitze wünschen, empfiehlt er eine gewisse bayerische Expertin für überfällige Ministerpräsidenten.


Auch wenn Mittermeier mit zynischen, gut platzierten Pointen manchmal an die Grenze von harmloser Wortspielerei stößt, so geht er keinen Schritt zu weit. Er ist bissig und bitterböse, wo es passt und schweigt, wo er Respektlosigkeit an den Tag legen würde. Gerade das Hin und Her zwischen Politik und Alltag, zwischen absurden Geschichten und knallharten Fakten machen die Darbietung mitreißend. Dies alles, gepaart mit einer sehr lebhaften Gestik und dem typisch bayerischen Spracheinschlag, ergibt zusammen ein sehr unterhaltsames und dennoch anspruchsvolles Programm, das, obwohl kein "Zuckerschlecken", spürbar den Geschmack des Osterburkener Publikums getroffen hat.

Text: Martin Hammer
Photos: Michael Pohl