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Bernd Lafrenz

am 21.10.2006 in der Aula des GTO

Jago

Wahre Theateratmosphäre kam in der Aula des Ganztagesgymnasiums Osterburken auf, als Bernd Lafrenz auf Einladung der Kulturkommode Osterburken und der SMV des GTO seine ungewöhnliche Version von "Othello" zur Aufführung brachte. Die Tragödie, im Jahre 1604 von William Shakespeare verfasst, wurde dabei vom Schauspieler und Regisseur Lafrenz auf originelle Weise in eine Komödie verwandelt, die dem Publikum, auch ohne vorherige Kenntnis der Handlung, einen äußerst amüsanten Zugang zum Werk des großen englischen Dichters ermöglichte. Schade eigentlich nur, dass diese Gelegenheit nicht von noch mehr Zuschauern – insbesondere von Schülern, die an diesem Abend den oft so trockenen Lehrstoff aufs Unterhaltsamste präsentiert bekommen hätten – genutzt wurde.

Bernd Lafrenz hat sich seit über 15 Jahren ganz der mehr oder weniger freien Interpretation der Shakespearschen Schauspiele, darunter auch "Macbeth" oder "Romeo und Julia", verschrieben und damit zahlreiche Theaterpreise im In- und Ausland gewonnen. Nicht nur, dass er die Tragödien allesamt mit viel Humor verarbeitet; er löst sich auch insofern vom Original, dass er die Stücke alleine spielt und somit alle Rollen selbst übernimmt. "Othello" ist dabei wohl eine seiner gelungensten Adaptionen.

Die "Seeschlacht" im Publikum


Rodrigo

Die Handlung konzentriert sich auf die klug eingefädelte Intrige des gehässigen Jago, der gehofft hatte, von Othello, dem Feldherrn der Armee der Republik Venedig, zum Leutnant befördert zu werden. Als er nämlich den unerfahrenen Cassio diese Stelle einnehmen sieht, sinnt er auf Rache, und es gelingt ihm, mit Hilfe des naiven, in Othellos Frau Desdemona unglücklich verliebten Rodrigo, Cassio bei Othello in Ungnade fallen zu lassen. Immer tiefer verstricken sich die Hauptcharaktere, inklusive Emilia, Jagos Ehefrau und Kammerzofe Desdemonas, in dieses üble Ränkespiel, bis Othello schließlich, von Desdemonas scheinbar offensichtlicher Zuneigung zu Cassio überzeugt, seine Frau aus Eifersucht umbringt.

Der eigentlich tragische Ausgang des Dramas, bei dem letztendlich beinahe alle Beteiligten durch fremde oder eigene Schwerter umkommen, ändert nichts daran, dass die Lachmuskeln des Publikums in diesem irrwitzigen und turbulenten Stück bis zum Schluss äußerst strapaziert werden. Dafür sorgt der Schauspieler aus Freiburg mit seiner unnachahmlichen One-man-Show, in der er die sechs Hauptrollen mit wenigen Requisiten ideenreich darzustellen weiß. Als Figur für die Rahmenhandlung dient ihm dabei der Herold Ferdinand, der eigentlich nur sechs Sätze zu sprechen hat und deshalb aus Seite 36 des Reclam-Hefts ausbricht, um endlich auch einmal die bedeutenden Rollen spielen zu können.

Ferdinand

So originell der Ansatz für diese Inszenierung, so großartig ist dabei die schauspielerische Leistung von Bernd Lafrenz und die Regieeinfälle, mit der er die verschiedenen Personen charakterisiert und die unterschiedlichen Szenerien darstellt: Das samtene Heroldsgewand Ferdinands wird im Handumdrehen in Desdemonas Nachtgewand verwandelt, die hüftkranke Emilia wird mit ostpreußischem Dialekt versehen, Jago spricht seinen Dialog mit einem behüteten Schwert, das Rodrigo darstellt, und Othello schluchzt herzzerreißend um ein erstochenes Leintuch. Präzise eingesetzte Lichteffekte sorgten für die passende optische Gestaltung der Szenen. Zur allgemeinen Erheiterung wurden die Zuschauer für die furiose Seeschlacht vor Zypern bis zum Hals in blaues Tuch gesteckt und fochten als osmanische Armee und Piraten gegen General Othello. Nicht zuletzt sorgten die Einbindung der vor der Vorstellung verspeisten Grünkernbratlinge in die Handlung und die humorigen Seitenhiebe auf die "Dame mit dem gelben Umhang aus der ersten Reihe" für jede Menge Lacher.


Die fast zweistündige Darbietung des Vollblutschauspielers zeigte, dass Theater nicht nur aus aufwendigen Kulissen und Kostümen bestehen muss, sondern dass mit Phantasie, Witz und spontaner Kreativität ein Abend unterhaltsam und faszinierend gestaltet werden kann. Bernd Lafrenz ist mit seiner Shakespeare-Persiflage zweifellos eine Bereicherung auf allen Bühnen.

Text: Martin Hammer
Photos: Michael Pohl