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Michael Ehnert

am 08.12.2007 in der Aula des GTO

Michael Ehnert

Was genau war es denn nun, das Michael Ehnert mit seinem aktuellen Programm "HeldenWinter" in der Aula des Ganztagsgymnasiums Osterburken bei der SMV des GTO und der Kulturkommode präsentierte: Theater, Comedy, Kabarett oder eine gekonnte Satire auf die Unterhaltungsindustrie? Von allem wohl ein bisschen – auf jeden Fall ein kurzweiliger und unterhaltsamer Abend für die Zuschauer, denn Ehnert vermag es, knappe zwei Stunden Gesellschaftskritik und augenzwinkernde Betrachtungen über das Filmgeschäft in eine durchdacht konstruierte Story zu verpacken, die so rasant und effektvoll erzählt wird, dass man sich bisweilen beinahe im Kino wähnt.


SchwarzenEhnert in Action

Der überzeugte Hamburger ist keiner der unzähligen Stand-up-Comedians, die derzeit den Freitagabend in den Privatsendern besetzen, sondern ein Schauspieler, der sein Handwerk gelernt hat und mit diesem Hintergrund in seiner One-Man-Show temporeich und dabei traumwandlerisch sicher zwischen unzähligen Charakteren und unterschiedlichen Handlungsebenen wechseln kann. Früh geht er als junger Mann auf die Schauspielschule und spielt ab Anfang der 90er Jahre am Münchener Residenztheater und am Schauspielhaus in Dortmund, um sich danach der Regiearbeit am Düsseldorfer Kom(m)ödchen und der Lach- und Schießgesellschaft in München zu widmen. Mit seinem ersten Soloprogramm "Mein Leben" wird er 2005 mit dem Deutschen Kabarettpreis ausgezeichnet und ist nun seit über einem Jahr mit "HeldenWinter" auf Tournee, in welchem er all diese Erfahrungen gemeinsam mit der Kenntnis Hunderter Actionfilme zu einem komödiantischen und dabei doch hintergründigen Theaterstück verarbeitet.


Zweifelnder Weltenretter

Zugegeben: die Story hat es in sich! Michael Ehnert verkörpert einen Autoren, der im Auftrag eines skrupellosen Fernsehproduzenten auf seiner ICE-Fahrt von Köln nach Hamburg-Altona das Drehbuch für einen Action-Film schreiben soll und dabei auf der verzweifelten Suche nach dem absoluten Weltenretter-Epos und dem Typus eines wahren Helden ist. Ungewollt bekommt er dabei Unterstützung von einem zwielichtigen älteren Herrn namens Francesco, nach dessen Ratschlägen der Film immer komplexere Ausmaße annimmt. Aus diesem Plot entwickelt Ehnert raffiniert Handlungsstränge in gespielter Realität und Fiktion, die, zu Beginn noch deutlich unterscheidbar, sich im Verlauf des Stückes mehr und mehr miteinander zu verweben beginnen. Die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Drehbuch verschwimmen, bis er sich schließlich den Protagonisten seines eigenen Films gegenüber sieht und sich am Ende nicht mehr sicher sein kann, ob er nicht selbst Teil seines Action-Thrillers geworden ist.

Wandlungsfähiger Kabarettist der Spitzenklasse


Auf brillante Weise agiert er dabei ohne Requisiten in den unterschiedlichsten Rollen, indem er lediglich Stimme und Gestik verändert. So gelingen ihm auch treffende Parodien auf Marlon Brando oder Klaus Kinski, dessen eindeutige Züge in dem unheimlichen Bahnkellner wiederzuerkennen sind. Effektvoll werden die gespielten Filmsequenzen durch Licht und Toneinspielungen unterstützt. Zudem bleibt daneben noch Raum genug für philosophische Betrachtungen und satirische Gesellschaftskritik.

Michael Ehnert ist als Autor und Darsteller von "HeldenWinter" ein großer Wurf gelungen: ein mitreißender Abend für Freunde des außergewöhnlichen Kabaretts und ein unterhaltsamer Spagat zwischen Drama und Komödie. Großes Kino! Nur eben live auf der Bühne.

Text: Martin Hammer
Photos: Michael Pohl