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1. FC Heidelberg

am 08.04.2006 in der Aula des GTO

"Es regnet Männer"...

"Der Frühling ist da, der 1.FC Heidelberg auch!". Gut gelaunt begrüßte Bernhard Bentgens, Leiter des 15-köpfigen Frauenchors aus der Kurpfalz, das Publikum in der voll besetzten Aula des Ganztagesgymnasiums. Es sei eine großartige Idee der Kulturkommode und der SMV des GTO gewesen, so Bentgens weiter augenzwinkernd, den 1.FC Heidelberg so kurz vor Ostern ausgerechnet nach Osterburken einzuladen. Vor allem die von weither angereisten Fans sahen das genauso, denn das Ensemble ist seit über 15 Jahren ein Garant für volle Konzertsäle, und oft genug ist es beinahe unmöglich, Karten für einen Auftritt in Heidelberg zu bekommen. Wer einmal ein Programm des 1. FC Heidelberg gesehen hat, der weiß, wieso das so ist.


Der 1. FC Heidelberg zu Gast am GTO


Die höchst unterhaltsame Kombination aus anspruchsvollen A-capella-Arrangements zumeist bekannter Klassiker aus Popmusik und Schlager und eigenen, humorvollen Texten verlangt dem Zwerchfell des Zuhörers einen Abend lang einiges ab. Dafür sorgen auch immer wieder die unerwarteten Überraschungen, wie beispielsweise das Abschiedslied, das im letzten Programm weggelassen wurde und deswegen kurzerhand diesen Abend eröffnete. John Miles' ursprünglich eher instrumental angelegtes Opus "Music" wurde zum Vergnügen aller mit der Zeile "Musik braucht keinen Text" ad absurdum geführt, während bei "It's raining men" der Weather Girls bereits die wörtliche Übersetzung ins Deutsche genügte, um im Publikum Lachsalven auszulösen. Dem 1.FC Heidelberg gelingt es mit dem ihm eigenen Stil, jedem noch so bieder scheinenden Song eine gehörige Prise Ironie und mitunter überaus schlüpfrige Interpretationen zu verleihen, die man bei einem Frauenchor in den besten Jahren vielleicht nicht unbedingt erwarten mag. Doch hier stehen keine Engel auf der Bühne; der Schalk liegt im vermeintlich Harmlosen.


Außergewöhnliche Beleuchtung in der Aula des GTO


Dabei bekommen allerdings nicht nur die Männer ihr Fett weg. Die 15 Sängerinnen haben durchaus den Mut, sich selbst auf die Schippe zu nehmen. Von Schönheitschirurgie bis hin zum nicht mehr passenden Kleidungsstück – alles wird musikalisch persifliert. Treffend eingesetzte Accessoires und vergnügliche Textbeiträge der glänzend aufgelegten Damen ergänzten dieses mitreißende Konzert.

Bernhard Bentgens

Bei aller Komik war aber auch nicht zu überhören, welch begnadeter Klangkörper der 1.FC Heidelberg ist. Seine enorme Klangfülle ausnutzend meisterte der Chor souverän auch anspruchsvollste, vielstimmige Arrangements, die zum Teil aus der Feder des musikalischen Multitalents Bernhard Bentgens selbst stammen, der als Dirigent seine Sängerinnen hervorragend zu führen vermochte. Ansonsten hatten allerdings zweifellos die Frauen auf der Bühne das Heft in der Hand, sangen und plauderten unverhohlen über schwäbisches Kuhfladen-Roulette, Lieblings-Verkehrsschilder und Klaus-Dieters Minimal-Tanga, überraschten mit urkomischen Rap- und Bauchtanzeinlagen und gaben Unterricht im "kontrollierten Entgleisen" mit anschließender Erfolgskontrolle. Da dies nichts anderes bedeutete als die Aufforderung zum Mitsingen, ließ sich das Publikum nur zu gerne zu diesen "Entgleisungen" (so auch der Titel des knapp dreistündigen Programms) hinreißen. Im Gegenzug revanchierte sich der Chor mit mehreren stürmisch geforderten Zugaben - solange, bis außer einem kurzen Abschiedsgruß wirklich alles gesagt war.



Text: Martin Hammer
Photos: Michael Pohl