Naked Raven
Impressionen vom Auftritt am 13.04.2002 in Osterburken, Aula des GTO
Text: Martin Hammer, Photos: Michael Pohl
Caerwen Martin   Russ Pinney    

Mit vielen Vorschusslorbeeren wurde "Naked Raven" von den Veranstaltern, der Kulturkommode Osterburken und der SMV des GTO, bedacht. Über 200 Zuhörer konnten dann beim Konzert der australischen Band am vergangenen Samstag in der Aula des Ganztagesgymnasiums Osterburken erleben, dass diese Erwartungen sogar noch übertroffen wurden.

   
James Richmond   Stephanie Lindner    
Das Aussergewöhnliche an "Naked Raven" ist die instrumentale Zusammensetzung. Wo andere Bands Streicherklänge synthetisch erzeugen müssen, sind mit Stephanie Lindner an der Violine und Caerwen Martin am Cello zwei hervorragende, klassisch ausgebildete Musiker im Ensemble, die zweifellos den unverwechselbaren "Naked Raven"-Sound ausmachen. Den rhytmischen Teil bilden Russ Pinney an der Gitarre und die Percussion von James Richmond. Zusammen mit dem eindringlichen Gesang von Janine Maunder bildet die Band, die seit ihrer aktuellen CD "Wrong girl" in dieser Besetzung zusammen spielt, eine dichte, musikalische Einheit, die ihresgleichen sucht.
   
Janine Maunder   Janine und Russ    
Der Stil der fünf Musiker vom fünften Kontinent ist geprägt von Songs voller Poesie und Sanftheit, die die Seele ansprechen. Den Kompositionen von Russ Pinney mit ihren glasklaren Melodien und den gemeinsam erarbeiteten abwechslungsreichen und ausgefeilten Arrangements gelingt es dabei ein ums andere Mal, im Zuhörer Empfindungen und Sehnsüchte zu wecken.
   
Naked Raven auf der GTO-Bühne    
Doch es sind längst nicht nur die ganz leisen Töne, die die Band meisterlich beherrscht. Gleich die ersten beiden Stücken zu Beginn des Konzerts zeugten von ihrer Bandbreite. Stellte sich der Opener "St. Kilda Pier" noch als gefühlvoller Song dar, getragen von der kammermusikalischen Harmonie der Streicher, so war "Paper Boy" geprägt von beinahe REM-haften Riff-Schleifen des Gitarristen und den hämmernden Beats des Schlagzeugs, die sich kantig von den ansonsten kultivierten Arrangements abhoben.
   
Janine, Stephanie und Caerwen    
Im Zusammenspiel liegt die Stärke der bestens aufeinander abgestimmten Musiker. Trotzdem konnte jeder einzelne beweisen, dass er sein Instrument absolut beherrscht. Die virtuosen Soli von Violine ("Steel") und Cello ("Shore") sind hierbei nur beispielhaft aufgeführt. Zumeist jedoch legten die Streicher die Basis für den warmen, vollen, mitunter fast souligen Gesang Gesang von Janine Maunder, die außerdem einige Stücke einfühlsam am Flügel begleitete. Brillant gelang es James Richmond, seine Percussionsarbeit der Stimmung der Songs anzupassen. Subtil auch das Spiel von Russ Pinney auf der akustischen Gitarre, der vereinzelt auch bei Solo-Partien seine feine Fingerfertigkeit unter Beweis stellte. Besonders in der zweiten Hälfte des Konzerts waren es auch die dynamischeren Lieder, wie "Some day" oder "Innocent hour", die das Publikum mitrissen und mit denen "Naked Raven" bewies, dass sie durchaus ein Händchen für ohrwurmtaugliche Popsongs haben.
   
Janine Maunder    

"Uns macht es Spass", so Janine Maunder, "Musik zu machen, die die Zuhörer geniessen können." Kein Wunder also, dass das Publikum sich von der Musik der Band von "Down under" berühren liess, die Stücke bis zum Schluss geniessen wollte und erst dann frenetisch applaudierte, wenn auch wirklich der letzte Ton völlig verklungen war.

Es ist dieser außergewöhnlichen und sympathischen Band zu wünschen, dass sie bei ihrer anstehenden Open-Air-Tournee weiterhin die europäischen Bühnen erobert. Ihre Fangemeinde hat sich zumindest seit ihrem Auftritt in Osterburken wesentlich vergrößert, was die stehenden Ovationen am Ende und die durchweg begeisterten Reaktionen des Publikums belegten.